Präsenz-Sitzung der BAG Landwirtschaft & ländliche Entwicklung in Schleswig-Holstein
Vom 29. bis 31. Mai war die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in Kiel und Schleswig-Holstein zu Gast. Im Mittelpunkt des Treffens standen zentrale Zukunftsfragen der Agrar-, Umwelt- und Ernährungspolitik – von der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) über den Schutz von Gewässern bis hin zu gesunder Ernährung.
Zum Auftakt traf sich die BAG mit den agrarpolitischen Sprecher*innen der grünen Landtagsfraktionen im Kieler Landtag. Im Fokus stand die Zukunft der europäischen Agrarpolitik. Kritisch diskutiert wurde der aktuelle Reformvorschlag für die GAP nach 2027, der aus grüner Sicht weit hinter den Anforderungen an Klima-, Umwelt- und Tierschutz zurückbleibt. Die Teilnehmer*innen sprachen sich für europaweit hohe Umweltstandards im Rahmen eines level playing fields und eine verlässliche Finanzierung von Umweltleistungen aus – hierfür muss im neuen EU-Haushalt ein festes Mindestbudget für Umweltleistungen stehen. Landwirt*innen brauchen Planungssicherheit und Anreize, um ihre Betriebe zukunftsfähig aufzustellen. Wertvolle Impulse lieferte dabei auch der Austausch mit Agrarökonom Professor Rainer Latacz-Lohmann von der Universität Kiel.

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Wasserschutzes. Gemeinsam mit Expert*innen und den Bundestagsabgeordneten Dr. Ophelia Nick und Karl Bär diskutierte die BAG die Ursachen der weiterhin unzureichenden Grundwasser- und Gewässerqualität in Deutschland. Besonders sichtbar werden die Folgen von Nährstoffeinträgen in der Ostsee, die sich als eines der am schnellsten erwärmenden Meere der Welt stark verändert. Übermäßige Einträge von Stickstoff und Phosphor fördern Algenblüten und Sauerstoffmangelzonen, die für viele Wasserlebewesen lebensfeindlich sind. Die BAG befasste sich deshalb intensiv mit Vorschlägen für ein wirksameres und verursachergerechteres Düngerecht. Deutschland steht weiterhin vor der Herausforderung, die Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie einzuhalten und den Schutz von Grund- und Oberflächengewässern nachhaltig zu verbessern.

Am Nachmittag führte eine Exkursion auf den Sprengerhof in Schwedeneck. Gemeinsam mit Betriebsleiter Tobias Brauns, Vertreter*innen des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbandes, dem Bioland-Landesvorsitzenden Dr. Peter Boysen sowie Hanno Michel, Umweltreferent der Grünen Landtagsfraktion, diskutierten die Teilnehmenden über die Herausforderungen landwirtschaftlicher Betriebe bezüglich der Reduktion von Nährstoffeinträgen und mögliche Wege zu einer besseren Vereinbarkeit von Landwirtschaft und Gewässerschutz. Besonders interessant war der Einblick in die Ostseebeiräte, die in Schleswig-Holstein als freiwilliger und kooperativer Ansatz zur Reduzierung von Nährstoffeinträgen etabliert wurden.





Am Sonntag widmete sich die BAG einem Thema, das aktuell bundesweit für Diskussionen sorgt: der Einführung einer Zuckerabgabe. Gemeinsam mit dem gesundheitspolitischen Sprecher der grünen Landtagsfraktion, Jasper Balke, Vertreter*innen der Nordzucker AG und der Verbraucherzentrale wurde über Chancen und Herausforderungen einer solchen Abgabe diskutiert. Weltweit haben bereits zahlreiche Länder entsprechende Modelle eingeführt, um den Konsum stark zuckerhaltiger Produkte zu reduzieren und gesundheitlichen Folgekosten entgegenzuwirken. Gleichzeitig muss auch die Perspektive der Landwirtschaft berücksichtigt werden: Die Zuckerrübe bleibt ein wichtiger Bestandteil vieler Fruchtfolgen, steht jedoch aufgrund von Schädlingsdruck und wirtschaftlichen Herausforderungen zunehmend unter Druck.

Das Treffen in Schleswig-Holstein machte deutlich, wie eng Landwirtschaft, Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherpolitik miteinander verknüpft sind. Die BAG Landwirtschaft und ländliche Entwicklung nutzte die Tage für intensive fachliche Diskussionen, den Austausch mit ExpertInnen und Praktikerinnen sowie die Entwicklung gemeinsamer grüner Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft.